Was ist Astrologie? - Eine zusammenfassende Einführung

Jeder Moment in der Zeit hat an jedem Ort auf der Welt seine ganz spezifische Qualität und jeder Mensch wurde in einem solchen Moment in der Zeit an einem bestimmten Ort geboren. Die Qualität des Geburtsmoments am Geburtsort beeinflusst die Persönlichkeit des Menschen. Man mag darüber streiten, ob es sich nun um Vorbestimmung, Karma oder ganz einfach nur Zufall handelt, dass ein Mensch zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort geboren wurde. Die Meinungen gehen da auseinander. Wie aber auch immer man darüber denkt, so ist unbestritten, dass die Persönlichkeit eines Menschen sein Schicksal in erheblichem Maße mitbestimmt.

Ein Horoskop ist das Abbild des Geburtsmoments eines Menschen am Ort seiner Geburt. Die Gesamtheit der Elemente, aus denen ein Horoskop besteht, beschreibt die Qualität der Zeit im Moment der Geburt und ist ein Abbild seiner Persönlichkeit. Ein Horoskop besteht aus den Tierkreiszeichen, auch Sternzeichen genannt, den astrologischen Häusern, den Planetenständen und den Aspekten, die die Planeten miteinander bilden. Eine Wiederholung der exakt gleichen Gesamtkonstellation kann sich nur, wenn überhaupt, ca. alle 26.000 Jahre ereignen. Jedes Horoskop ist daher einmalig. Auch die Horoskope von Zwillingen sind nicht exakt die selben, denn auch Zwillinge werden nicht zur gleichen Zeit, sondern im Abstand von einigen Minuten geboren. Und das macht bereits einen Unterschied. Aber selbst, wenn zwei Menschen wirklich zu exakt der gleichen Zeit geboren wurden, so können sie dennoch nicht am selben Ort geboren worden sein. 19:30 Uhr in London besitzt nicht dieselbe Zeitqualität, wie 19:30 in Berlin.

Die zwölf Tierkreiszeichen bilden die Grundlage des gesamten Horoskops. Im Laufe eines Jahres erscheint die Sonne für einen bestimmten Zeitraum in je einem dieser Tierkreiszeichen. Das Tierkreiszeichen, in dem sich die Sonne gerade befindet bestimmt die Grundqualität dieses Zeitraums und alle Menschen, die in diesem Zeitraum geboren werden, werden davon beeinflußt. Die Tierkreiszeichen stehen sozusagen symbolisch für zwölf verschiedene Grundtypen der Persönlichkeit. Natürlich sind nicht alle Menschen, die dasselbe Tierkreiszeichen haben, gleich. Zu einem Horoskop gehören – siehe oben – ja noch wesentlich mehr Elemente, als nur die Tierkreiszeichen. Das Individuum wird durch das Zusammenspiel aller dieser Elemente bestimmt. Aber Ausgangspunkt und Grundlage sind die zwölf Zeichen.

Eng verbunden mit den Tierkreiszeichen sind die Planeten. Über jedes Tierkreiszeichen herrscht ein Planet, der sogenannte Planetenherrscher. Die Eigenschaften eines Tierkreiszeichens und seines Planetenherrschers stehen miteinander in Beziehung. Die Planeten bewegen sich ebenfalls durch die Sternbilder des Tierkreises, jedoch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. So ist z.B. der Planet Merkur ein richtiger "Renner", während der Planet Pluto sich ausgesprochen viel Zeit lässt. Er braucht ca. 248 Jahre um einmal den gesamten Tierkreis zu durchwandern. Befindet sich ein Planet in seinem eigenen Zeichen, so kann er sich sozusagen voll ausleben. Er ist quasi zu Hause. Befindet sich ein Planet aber nicht in seinem eigenen Zeichen, so wird er von den Eigenschaften dieses anderen Zeichens beeinflusst.

Die Astrologie ist uralt. Der gestirnte Himmel wird bereits seit Jahrtausenden von den Menschen beobachtet. Zuerst wurden die Sterne nur zur Zeitmessung herangezogen. Erst später entdeckte man, das Zeit auch eine bestimmte Qualität haben kann. Da der Himmel überall auf der Welt zu sehen ist, wurde die Sternenkunde in vielen alten Kulturen betrieben. Die Astrologie ist also nicht an einem einzigen bestimmten Ort "erfunden" worden. An vielen Orten der Welt haben die Menschen den Himmel beobachtet und dabei in den verschiedenen Sternbildern ganz bestimmte Dinge gesehen, die immer mit der Religion, den Göttern und den Mythen in Zusammenhang standen. Sie entdeckten, dass die Planeten bestimmte Einflüsse zu haben scheinen, die sich mit den Eigenschaften einiger Götter deckten. Deshalb spielen die Mythen und die alten Religionen in der Astrologie eine bedeutsame Rolle, denn die Deutungen der Zeichen und Planeten gehen im Ursprung auf die alten Mythen zurück. Im Laufe der Jahrtausende hat sich die Deutungsebene natürlich erheblich weiterentwickelt und der jeweiligen Zeit angepasst. Doch der alte Kern ist immer noch vorhanden. Wenn wir die Astrologie verstehen wollen, dann müssen wir auch auf die alten Mythen schauen

Unsere traditionelle Astrologie stammte ursprünglich aus Babylon. Von hier verbreitete sie sich über einen Großteil der damaligen Welt. Spätestens im zweiten Jahrhundert v.Chr. erreichte sie auch Ägypten. Allerdings verfügten die alten Ägypter zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehr als 2000 Jahren nachweislich über eigenes astrologisches Wissen. Um 200 v.Chr. befand sich die ägyptische Kultur bereits in ihrer Spätzeit. Erst hatten die Perser das Land am Nil erobert, dann kam Alexander der Große und hinterließ dem Land seinen kulturellen Stempel. Ab 304 v.Chr. herrschten dann die Ptolemäer. Die Ankunft des babylonischen Tierkreises fiel somit in die Ptolemäerzeit, eine Zeit also, in der sich die altägyptische Kultur bereits stark mit der griechischen Kultur vermischt hatte. Wir können daher heute nicht mehr genau sagen, seit wann es einen spezifisch altägyptischen Tierkreis gegeben hat. Sicher ist nur, dass es ihn gab. Die Zeichen des altägyptischen Tierkreises unterscheiden sich von denen des babylonischen Tierkreises. Deutet man sie nach der ihnen inne wohnenden Symbolik, so ergeben sich jedoch einige Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. Manche Eigenschaften scheinen von den Astrologen der alten Ägypter betonter gesehen worden zu sein, manche auch positiver, andere wiederum erscheinen ursprünglicher, fast archaisch. Unübersehbar ist der enge Bezug zu Religion und Mythos. In ihrem Ursprung scheinen die altägyptischen Tierkreiszeichen aber auf  dieselben Sternbilder zurückzugehen, wie die babylonischen.

Die Sternbilder des Tierkreises sind hauptsächlich nach Tieren benannt. Daher auch der Name Tierkreis, bzw. Tierkreiszeichen. Um jedoch in diesen Sternbildern beispielsweise einen Widder oder einen Stier zu erkennen, bedarf es schon erheblicher Fantasie. Astrologen und Priester unterschiedlicher Kulturkreise können da durchaus auch unterschiedliche Symbole und Bilder gesehen haben. In jedem einzelnen Sternbild des Tierkreises lässt sich sowohl das babylonische Bild, als auch das altägyptische Bild erkennen, wenn man genau hinschaut.

Astrologie gab und gibt es überall auf der Welt. In manchen Ländern werden Astrologen belächelt, in anderen sind sie hoch angesehen. So ist die Astrologie beispielsweise in Indien eine anerkannte Wissenschaft. Die indische Astrologie – auch vedische Astrologie genannt – verwendet denselben Tierkreis, wie die westliche Astrologie, arbeitet aber nach einem anderen astrologischen System. Bis heute ist die Astrologie in Indien eng mit der Religion verknüpft. Die chinesische Astrologie wiederum verwendet einen eigenen Tierkreis und arbeitet mit ganz anderen Zeiträumen. Eines hat die Astrologie aber überall gemeinsam: es geht um die Qualität der Zeit und ihren Einfluß auf das Leben. Wir leben mit und in der Zeit, vielleicht nur einmal, vielleicht immer wieder. Wirklich verstanden haben wir ihr Wesen aber bis heute nicht. Und so nähern wir uns seit Jahrtausenden dem Wesen der Zeit mit Hilfe der Sterne und der Planeten.

Ein altägyptischer Text beschreibt die Bedeutung, die die Zeit für unser Leben hat. Im Buch Amduat, der Schrift des verborgenen Raumes, wird geschildert, wie der Sonnengott Ra allnächtlich in einer Barke durch die Unterwelt fährt. Dort trifft er in der 7. Stunde der Nacht auf die Unterweltsschlange Apophis und wird von ihr angegriffen. Apophis versucht die Sonnenbarke anzuhalten. Würde ihm das gelingen, so bliebe die Zeit stehen, denn alles irdische Leben und alle Bewegung findet mit und in der Zeit statt. Der Versuch des Apophis, die Zeit anzuhalten, ist demnach ein Versuch, das irdische Leben zu vernichten.